Die goldenen ersten Minuten des Lebens

Das Klinikum Traunstein hat ein neues und besonders behutsames Verfahren für die ersten Minuten nach einer Geburt eingeführt. „Das Ziel ist, den Start ins Leben für Neugeborene, ganz besonders für Frühchen und Kinder mit erhöhtem Risiko noch sicherer und natürlicher zu gestalten,“ so Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern. Insgesamt 89 Mitarbeitende aus der Geburtshilfe, der Kinderintensivstation und des Operationsbereichs wurden dafür umfassend in das sogenannte Concord Birth Flow Verfahren eingearbeitet. „Damit ist das interdisziplinäre Team gut darauf vorbereitet, die goldenen ersten Minuten des Lebens besonders sanft zu gestalten“, so Dr. Gretscher.

„Die Neonatologie hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und dabei sind die ersten Minuten nach der Geburt immer mehr in den Fokus gerückt. Sie gelten als eine äußerst empfindliche Phase,“ erklärt Prof. Dr. Gerhard Wolf, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Traunstein. Sein Kollege Prof. Dr. Christian Schindlbeck, Chefarzt der Frauenklinik, fügt hinzu, was in dieser Zeit genau passiert: „Vor der Geburt funktioniert der Kreislauf eines Kindes grundlegend anders als danach. Im Mutterleib sind die Lungen noch mit Flüssigkeit gefüllt und nicht an der Atmung beteiligt. Die Versorgung übernimmt vollständig die Plazenta, wodurch das Blut über spezielle Umgehungswege am Lungenkreislauf vorbeigeleitet wird. Mit den ersten Atemzügen nach der Geburt senkt sich der Widerstand in den Lungen, das Blut fließt nun dorthin und der Kreislauf stellt sich auf die eigenständige Sauerstoffaufnahme um. Dieser Übergang markiert den Wechsel von der plazentaren zur eigenen Atmung.“

Das neue Verfahren am Klinikum Traunstein unterstützt diese Umstellung besonders sanft. Das Kind bleibt zunächst noch über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden, während es die ersten eigenen Atemzüge macht. Dadurch wird der Übergang weniger abrupt, und das Neugeborene kann sich schrittweise an die neue Situation anpassen. „Wissenschaftliche Erkenntnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Übergang stabiler und stressärmer gelingt, wenn die Verbindung zur Plazenta nicht sofort getrennt wird, sondern noch etwas bestehen bleiben darf,“ so die Oberärztin der Neonatologie, Dr. Virginia Toth.

Dieses Vorgehen ist ganz besonders wichtig für Frühgeborene und Kinder mit erhöhtem Risiko. Jedoch können auch reife Neugeborene erheblich davon profitieren. Eingesetzt wird dafür ein spezieller Versorgungstisch, der Concord Birth Trolley. Dieser kann in der Höhe verstellt und zur Mutter hingeschwenkt werden, sodass das Kind in unmittelbarer Nähe bleibt. Eine passende Aussparung ermöglicht, dass die Nabelschnur dabei nicht unter Spannung gerät. Gleichzeitig sind alle Gerätschaften, die für die Erstversorgung von Risikogeburten gebraucht werden, in greifbarer Nähe montiert. Der Trolley kann sowohl im Geburtsraum als auch bei Kaiserschnitten genutzt werden Die Gerätschaften für das sanfte Verfahren konnten dank einer Förderung der Eva Mayr-Stihl Stiftung beschafft werden. Die Stiftung engagiert sich seit dem Jahr 2018 immer wieder mit großzügigen Unterstützungen für innovative Projekte am Klinikum Traunstein. 

Mit der sorgsamen Schulung und der präzisen Festlegung und Abstimmung der Prozesse schafft das Klinikum Traunstein eine verlässliche Grundlage für eine moderne, äußerst sichere und gleichzeitig besonders sanfte Form der Geburtshilfe. Für Eltern bedeutet dies: Ihr Kind erhält in den ersten, besonders wichtigen Minuten des Lebens die bestmögliche Unterstützung, behutsam, sicher und nach dem neuesten Stand des Wissens. Eine Reihe von Neugeborenen durften schon davon profitieren und ganz in Ruhe das Licht der Welt erblicken.

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Bilder zur Meldung
Gruppenbild im Kreissaal mit der neuen technischen Ausstattung
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Einweihung des Concord Birth Trolleys: v.l. hinten Prof. Dr. Gerhard Wolf Chefarzt der Kinder und Jugendmedizin; Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender; Prof. Dr. Christian Schindlbeck, Chefarzt der Frauenklinik; PD. Dr. Tom-Philipp Zucker, Chefarzt Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie; vorne: Dr. Virginia Toth, Oberärztin der Neonatologie
(c) Kliniken Südostbayern