Meilenstein für die Behandlung drogenabhängiger Menschen in Deutschland
Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) mit Sitz in Renchen eröffnet eine 100-Betten-Fachklinik zur Behandlung drogenabhängiger Menschen. In Kooperation mit dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) entstand am Standort Wiesloch eine der modernsten Sucht-Reha-Kliniken in Deutschland. Mit Gesamtkosten von 19 Millionen Euro konnten sowohl der Zeit- als auch der Kostenrahmen eingehalten und die Bauarbeiten in weniger als zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Klinik eröffnet zum richtigen Zeitpunkt
2.150 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf Rekordniveau. Zudem sind immer mehr jüngere Menschen betroffen: Fast jeder vierte Drogentote ist heute unter 30 Jahre alt. Oliver Kaiser, Geschäftsführer des bwlv sagt dazu: „Wir eröffnen die Klinik genau zum richtigen Zeitpunkt. Die wachsende Verbreitung synthetischer Opioide, unberechenbare Wirkstoffgehalte und zunehmender Mischkonsum sind kritisch. Mit unserer Klinik schaffen wir dringend benötigte Behandlungsangebote, die echte Ausstiegschancen bieten“. Der bwlv blickt mit Sorge auf die aktuelle Situation. Kaiser betont: „Die Konsumnaivität junger Menschen trifft auf eine leichte Verfügbarkeit hochpotenter Drogen“.
Innovative Ansätze
Das Klinikkonzept enthält zahlreiche innovative Ansätze, wie eine substitutionsgestützte Suchtrehabilitation, eine intensive Integration von Forschung in den Behandlungsalltag sowie ein Konzept für die Begleitung von Kindern: Elternteile können in Familienzimmern untergebracht werden, während ihre Kinder in einem Kindergarten betreut werden. Dadurch haben die Eltern die Möglichkeit, am Behandlungsprogramm teilzunehmen. Zudem werden gezielte Eltern-Kind-Behandlungsmodule angeboten, um die Erziehungs- und Interaktionskompetenzen der Eltern zu stärken. Die Leiterin der Fachklinik Frau Prof. Dr. Koopmann betont: „Dem Behandlungsteam der Fachklinik Rhein-Neckar ist es wichtig, für alle Rehabilitanden das individuell passende Behandlungsangebot zusammenzustellen. Dabei berücksichtigen wir insbesondere psychiatrische Begleiterkrankungen und die familiäre Situation.“
Der federführende Leistungsträger begrüßt die Umsetzung des Bauprojektes. Saskia Wollny, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Baden Württemberg betont die Bedeutung des neuen Angebotes: „Als Rentenversicherung Baden-Württemberg freuen wir uns sehr, unsere Versicherten in die kompetente Versorgung des bwlv zu geben, sehr gerne in so eine moderne und innovative Klinik wie die Fachklinik Rhein-Neckar. Wir begrüßen das neue Angebot im Hinblick auf die bestehenden Bedarfe unserer Rehabilitanden ausdrücklich. Die Fachklinik wird damit ein wichtiger Baustein im Versorgungsnetz."
Nachhaltigkeit
Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen prägt die Planung der neuen Fachklinik: Das Gebäude erfüllt den anspruchsvollen Energieeffizienzstandard „KfW-40“. Die Fachklinik kooperiert hinsichtlich der Nutzung vorhandener Infrastruktur und insbesondere konzeptionell eng mit dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden.
Zur Partnerschaft mit dem PZN äußert sich die PZN-Geschäftsführerin Anett Rose-Losert, „wir freuen uns über die enge Kooperation. Die Infrastruktur wird optimal genutzt und bestehende Netzwerke ausgebaut. Die unmittelbare Nachbarschaft zu unserer bestens aufgestellten Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung, ermöglicht einen nahtlosen Übergang aus der Entzugsbehandlung in die weiterführende Rehabilitation."
Auch der Ärztliche Direktor des PZN, Dr. Tobias Link, betont: „Künftig werden Patientinnen und Patienten ihre gesamte Behandlungszeit, hier in Wiesloch verbringen können. Durch die räumliche Nähe von suchtmedizinischer Akut-Behandlung, Rehabilitation sowie ambulanter Nachsorge werden Synergien genutzt und so eine moderne und zukunftsfähige Behandlung gefördert. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“
Engagementpartner haben die Wirkungsorientierung erkannt
Mit einer Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro unterstützte die Eva Mayr-Stihl Stiftung mit Sitz in Waiblingen die Realisierung dieses innovativen Projektes in der Suchthilfe. Robert Mayr, Stifter und Vorstandsvorsitzender, begründet dies: „Besonders beeindruckt mich, dass Zeit- und Kostenplan beim Bau dieser Klinik eingehalten werden konnten. Dies ist vor allem dem unermüdlichen Engagement von Herrn Kaiser und seinem Team zu verdanken – und es zeigt uns, dass wir auf den richtigen Partner für unsere Förderung gesetzt haben. Ich freue mich über die Eröffnung dieser dringend benötigten Institution und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer wichtigen Arbeit.“
Ein wichtiger Unterstützer war zudem die Dietmar Hopp Stiftung. Die Stiftung fördert Projekte in den Bereichen Medizin, Bildung, Soziales und Jugendsport in der Metropolregion Rhein-Neckar und unterstützte das Projekt mit 1,5 Mill. Euro. „Es ist wichtig, jungen Menschen, die drogenkrank sind, so früh wie möglich ein Behandlungsangebot machen zu können, bei dem sie Kompetenzen zur Alltagsbewältigung entwickeln. Dadurch erhalten sie eine Grundlage für ein gesundes und selbstständiges Leben. Die neue Klinik in Wiesloch bietet hierfür modernste Behandlungskonzepte, die an die Bedarfe der Betroffenen angepasst sind“, erklärt Isabel Hopp.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Oliver Kaiser,
Geschäftsführer Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH
Renchtalstr. 14,
77871 Renchen
E-Mail: Oliver.Kaiser@bw-lv.de
Telefon: 07843 949 141 Fax: 07843 949 168
Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) ist mit 54 Einrichtungen und über 940 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der größte gemeinnützige Träger der Suchthilfe und -prävention in Baden-Württemberg, ist außerdem Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie Integrationsfachdiensten für schwerbehinderte Menschen. Der gemeinnützige Verband betreibt seit über 100 Jahren Fachkliniken, Heime, Tageskliniken, ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen und Nachsorgeeinrichtungen. Unverzichtbar ist die Unterstützung von über 200 ehrenamtliche Helfer:innen, die 180 Selbsthilfegruppen organisieren.